Wissensrepräsentation damals und heute

Aus Zweites Gehirn, dem persönlichen Wiki
Wissensrepräsentation damals und heute
TypSynthese
QuellenQuelle - Bildverarbeitung Zusammenfassung
Quelle - LLM Wiki - Ideendatei
Quelle - Neuronale Netze selbst programmieren
Quelle - Neuronale Netze programmieren mit Python
Erstellt2026-09-24
Aktualisiert2026-09-27
Tagswissensrepräsentation, künstliche-intelligenz, llm-wiki, geschichte

Vergleich der klassischen, formalen Wissensrepräsentation (semantische Netze, Frames, Regeln, Blackboard; Stand 2004) mit dem LLM Wiki. Die Architekturideen sind erstaunlich ähnlich geblieben. Geändert hat sich vor allem, wer das Wissen in welcher Form codieren muss.

Einordnung (Claude)

Diese ganze Seite ist eine Synthese von Claude. Die Einzelfakten sind belegt, die Gegenüberstellung und die Schlussfolgerungen sind Interpretation.

Ausgangslage

Beide Ansätze suchen einen dauerhaften, expliziten Wissensspeicher, der von der Verarbeitung getrennt ist.

Gegenüberstellung

Idee Klassisch (2004) LLM Wiki (heute)
Wissen und Steuerung trennen explizite Wissensrepräsentation, getrennt von der Ablaufsteuerung, damit sich beides unabhängig ändern lässt Wiki (wiki/) als Wissen, Schema (CLAUDE.md) als Steuerung
Langzeitwissen allgemeingültig, statisch, bildunabhängig Wiki-Seiten, die über Sessions hinweg bestehen
Kurzzeitwissen bezogen auf das aktuelle Bild, dynamisch Kontextfenster der aktuellen Session
Knoten und Kanten semantisches Netz: Knoten sind Objekte, Kanten Relationen („ist-Teil-von“) Seiten sind Knoten, [[Links]] Kanten; die Relation steht als Text im „Verwandt“-Abschnitt
Prototyp und Vererbung Frames mit Slots; a_kind_of, is_a Seitenformat mit Frontmatter (typ, tags, quellen) als fester „Slot“-Rahmen; keine echte Vererbung
Konzept vs. Instanz Konzept = Prototyp einer Klasse, Instanz = konkretes Element Ordner konzepte/ vs. entitaeten/
Regeln Produktionssysteme: Bedingung → Aktion Workflows im Schema: „Auslöser: Ingest …“ → Schritte 1–7
Gemeinsamer Arbeitsraum Blackboard: Spezialisten kommunizieren nur über die Tafel Vault: Mensch und LLM arbeiten nur über die Dateien zusammen, Obsidian ist die „IDE“
Konsistenz Relaxation schliesst unverträgliche Deutungen iterativ aus Lint sucht Widersprüche; [!warning]-Markierungen halten sie sichtbar fest
Wissenserwerb adaptive Bildanalyse: beobachten → bewerten → Verhalten ändern; meist nur Parameterlernen Ingest und Query lassen das Wiki wachsen; das Modell selbst lernt dabei nicht, nur der Speicher

Die klassischen Konzepte sind in Wissensbasierte Bildanalyse beschrieben, das LLM Wiki in LLM Wiki und Wiki-Operationen.

Was sich grundlegend geändert hat

  1. Das Format: Früher musste Wissen formal codiert werden (Grammatiken, Frames, Regeln), damit eine Maschine es nutzen konnte. Heute genügt Fliesstext, weil das LLM natürliche Sprache deuten kann. Die Einstiegshürde sinkt damit von „Wissensingenieur“ auf „jeder, der schreiben kann“.
  2. Die Pflege: Formale Wissensbasen waren aufwendig zu erstellen und zu warten. Der Engpass verschob sich damit zum Menschen. Genau dieses Pflegeproblem hatte schon der Memex nicht gelöst. Im LLM Wiki übernimmt das LLM die Buchhaltung, der Pflegeaufwand sinkt fast auf null (Quelle - LLM Wiki - Ideendatei).
  3. Das Schliessen: Früher war die Analyse explizite Suche (Tiefen- und Breitensuche, A*, Graph-Matching). Heute geschieht das Verknüpfen implizit im Sprachmodell, die Suche beschränkt sich auf das Finden relevanter Seiten über index.md.
  4. Der Zweck: Damals war das Wissen Mittel zum Zweck (Bilder deuten). Heute ist die Wissenssammlung selbst das Produkt, als Zweites Gehirn.

Was geblieben ist

  • Die Trennung von Wissen und Steuerung ist weiterhin die wichtigste Designentscheidung.
  • Explizite Struktur lohnt sich weiterhin: Obwohl das LLM Fliesstext versteht, gibt das Schema bewusst Frontmatter, Seitentypen und Linkpflicht vor. Das ist eine abgespeckte Form von Frames und semantischem Netz.
  • Datengetrieben und modellgetrieben wirken auch heute zusammen: Ingest arbeitet bottom-up (von der Quelle zu den Konzepten), Query top-down (von der Frage zu den Seiten).

Trade-offs

Formal (klassisch) Fliesstext (LLM Wiki)
Maschinell prüfbar hoch: Regeln sind eindeutig gering: Aussagen sind unscharf
Aufwand zum Erstellen hoch niedrig
Robust gegen Fehler Fehler sind deterministisch und reproduzierbar Risiko von Halluzinationen und stillen Verfälschungen beim Zusammenfassen
Flexibilität starr, nur modellierte Fälle beliebige Themen, beliebige Fragen
Nachvollziehbarkeit Ableitungsbaum (z.B. in ERNEST) Quellenbelege ([[Quelle - …]]) und Log

Die Regeln im Schema (unveränderliche Rohquellen, Belegpflicht, markierte Widersprüche, gekennzeichnete eigene Interpretationen) wirken wie ein Ersatz für die fehlende formale Prüfbarkeit.

Offene Fragen

  • Wann lohnt sich mehr Formalisierung im Wiki? Zum Beispiel typisierte Relationen im Frontmatter (teil_von, art_von), die Dataview auswerten könnte.
  • Eine Quelle zur Geschichte der KI (Symbolische KI vs. Konnektionismus) würde diese Synthese belegen statt nur interpretieren. Weitgehend geschehen (2026-09-27): Quelle - Neuronale Netze programmieren mit Python unterscheidet ausdrücklich symbolische KI (Wissen explizit in Regeln, Entscheidungen nachvollziehbar) und subsymbolische, konnektionistische KI (Wissen implizit in Gewichten, schwer zu erklären) und stellt fest: „Die Geschichte hat sich (derzeit) zugunsten der subsymbolischen Systeme entwickelt“ (S. 40). Die Zeitleiste steht in Geschichte der neuronalen Netze. Die Nachteile der Blackbox und die Vorzüge regelbasierter Systeme für die Erklärbarkeit beschreibt KI-Ethik. Eine Geschichte der symbolischen KI selbst (Expertensysteme, Frames, Blackboard) fehlt weiterhin.
  • Die Mustererkennung zeigt den zweiten Strang: neuronale Netze, die 2004 nur ein Klassifikator unter vielen waren und heute als LLM die Wissenspflege übernehmen.

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