| Typ | Konzept |
|---|---|
| Quellen | Quelle - Automatentheorie Zusammenfassung |
| Erstellt | 2026-09-24 |
| Aktualisiert | 2026-09-24 |
| Tags | theoretische-informatik, formale-sprachen, überblick |
Einteilung der formalen Sprachen in vier ineinander geschachtelte Klassen (Typ 3 ⊂ Typ 2 ⊂ Typ 1 ⊂ Typ 0), jeweils mit passender Grammatikform und passendem Automatenmodell.
Übersicht
| Typ | Sprachklasse | Grammatik (Regelform) | Automat | Wortproblem |
|---|---|---|---|---|
| 3 | regulär (REG) | rechts- oder linkslinear: A → aB, A → a | Endlicher Automat | entscheidbar, linear |
| 2 | kontextfrei (kfS) | A → beliebiges Wort | Kellerautomat (PDA) | entscheidbar (z.B. CYK, O(n³)) |
| 1 | kontextsensitiv (ksS) | α → β mit |α| ≤ |β| (monoton) | linear beschränkter Automat (LBA) | entscheidbar |
| 0 | rekursiv aufzählbar (RE) | beliebig, links mindestens ein Nichtterminal | Turingmaschine | nur semi-entscheidbar |
Es gilt Typ 3 ⊊ Typ 2 ⊊ Typ 1 ⊊ Typ 0 ⊊ 2^(Σ*). Trennende Beispiele: aⁿbⁿ (kontextfrei, nicht regulär), aⁿbⁿcⁿ (kontextsensitiv, nicht kontextfrei) (Quelle - Automatentheorie Zusammenfassung).
Übersichtstabellen der Quelle (S. 39–40)
Äquivalente Beschreibungskonzepte:
| Sprachklasse | Konzepte |
|---|---|
| Typ 3 | DFA, NFA, ε-FA, GFA, reguläre Ausdrücke, rechts- und linkslineare (auch verallgemeinerte) Grammatiken |
| deterministisch kontextfrei | DPDA, LR(k)-Grammatiken |
| Typ 2 | kontextfreie Grammatiken, Kellerautomaten (PDA) |
| Typ 1 | kontextsensitive Grammatiken, LBA |
| Typ 0 | Typ-0-Grammatiken, nichtdeterministische und deterministische Turingautomaten |
Zeitaufwand für das Wortproblem: Typ 3 O(n) (mit DFA) · DPDA O(n) · Typ 2 O(n³) (Grammatik in CNF) · Typ 1 2^O(n) · Typ 0 unlösbar.
Abschlusseigenschaften (× = abgeschlossen):
| Klasse | ∩ | ∪ | Komplement | Konkatenation | * |
|---|---|---|---|---|---|
| Typ 3 | × | × | × | × | × |
| DPDA | – | – | × | – | – |
| Typ 2 | – | × | – | × | × |
| Typ 1 | × | × | × | × | × |
| Typ 0 | × | × | – | × | × |
Entscheidbarkeit (× = entscheidbar):
| Klasse | Wortproblem | Leerheit | Schnitt | Äquivalenz |
|---|---|---|---|---|
| Typ 3 | × | × | × | × |
| DPDA | × | × | – | ? |
| Typ 2 | × | × | – | – |
| Typ 1 | × | – | – | – |
| Typ 0 | – | – | – | – |
- Auf S. 40 sind die Überschriften verschoben: Unter „Abschlusseigenschaften“ steht die Komplexitätstabelle, unter „Entscheidbarkeit“ die Abschlusstabelle, unter „Wortproblem“ die Entscheidbarkeitstabelle. Oben sind die Tabellen richtig zugeordnet.
- Das „?“ bei der Äquivalenz für DPDA war 2002 schon überholt. Sénizergues hat 1997 bewiesen, dass die Äquivalenz deterministischer Kellerautomaten entscheidbar ist (Gödel-Preis 2002). (Einordnung Claude)
Kontextsensitive Sprachen (Typ 1)
- Die linke Regelseite darf ein Wort aus Terminalen und Nichtterminalen sein, sofern es mindestens ein Nichtterminal enthält.
- Monotonie: Die rechte Seite ist nie kürzer als die linke, abgeleitete Wörter wachsen also nie. Daraus folgt: Für Wörter der Länge ≤ n gibt es eine maximale Schrittzahl, und deshalb ist das Wortproblem entscheidbar.
- Beispiel G₁ (S. 32) für aⁿbⁿcⁿ: S → aSBC | aBC, CB → BC, aB → ab, bB → bb, bC → bc, cC → cc. Ableitung von a³b³c³: S ⇒ aSBC ⇒ aaSBCBC ⇒ aaaBCBCBC. Dann sortiert CB → BC die B's vor die C's (aaaBBBCCC), danach werden sie von links nach rechts in b's und c's umgewandelt → aaabbbccc.
- Beispiel G₂ (S. 33) für aᵐbⁿcᵐdⁿ (m, n ≥ 1): S → T₁T₂, T₁ → aT₁C | aC, T₂ → bT₂d | bd erzeugt aᵐCᵐbⁿdⁿ. Die Regeln Cb → bC, Cd → cd, Cc → cc vertauschen und verwandeln die C's. Beispielableitung bis a²b³c²d³.
Die Quelle sagt, kontextsensitive Sprachen könnten das leere Wort nie enthalten (weil monotone Regeln es nicht erzeugen). Das gilt nur für die strenge Definition. Üblich ist die Sonderregel S → ε, sofern S auf keiner rechten Seite vorkommt. So wird jede kontextfreie Sprache auch kontextsensitiv, auch eine mit ε. Ausserdem steht auf S. 32 „kfS“, gemeint ist „ksS“ (Quelle - Automatentheorie Zusammenfassung).
Linear beschränkter Automat (LBA)
Eine nichtdeterministische Turingmaschine, die nur den Bandbereich des Eingabeworts benutzen darf. LBA = Typ 1.
- LBA-Problem (offen): Man weiss nicht, ob jeder nichtdeterministische LBA in einen deterministischen LBA umgewandelt werden kann (Quelle - Automatentheorie Zusammenfassung).
Typ 0 und darüber hinaus
- Typ-0-Grammatiken heben die Monotonie auf, Wörter dürfen beim Ableiten schrumpfen. Sie erzeugen genau die von Turingmaschinen akzeptierten Sprachen (rekursiv aufzählbar = semi-entscheidbar).
- Abzählbarkeitsargument: Typ-0-Grammatiken gibt es nur abzählbar viele, Sprachen dagegen überabzählbar viele. Also gibt es Sprachen, die gar keine Grammatik erzeugt → Berechenbarkeit.
- Abzählbar sind z.B. die geraden und die rationalen Zahlen. Überabzählbar sind die reellen Zahlen und die Menge aller Sprachen 2^(Σ*).
Muster: Determinismus
| Modell | Nichtdeterminismus stärker? |
|---|---|
| Endlicher Automat | nein (Potenzmengenkonstruktion) |
| Kellerautomat | ja (DPDA ⊊ PDA) |
| LBA | offen (LBA-Problem) |
| Turingmaschine | nein (aber exponentieller Zeitaufwand → Komplexitätstheorie) |
Verwandt
- Formale Sprache – Grundbegriffe
- Reguläre Sprache, Kontextfreie Sprache – Typ 3 und 2 im Detail
- Turingmaschine – Typ 0 und LBA
- Berechenbarkeit – was jenseits von Typ 0 liegt
- Kellerautomat – Automat für Typ 2
