Standortwahl

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Standortwahl
TypKonzept
QuellenQuelle - BWL Grundlagen Zusammenfassung
Quelle - Recherche - Schweizer Gesellschafts- und Wirtschaftsrecht 2026
Quelle - BWL Material- und Produktionswirtschaft Zusammenfassung
Erstellt2026-09-25
Aktualisiert2026-09-26
Tagsbetriebswirtschaft, standort, entscheidungsmethode

Die Entscheidung, an welchem geographischen Ort eine Unternehmung ihre Produktionsfaktoren einsetzt. Sie stützt sich auf Standortfaktoren und wird in der Praxis oft mit einer Nutzwertanalyse getroffen.

Standort

Der Standort ist der geographische Ort, an dem eine Unternehmung ihre Produktionsfaktoren einsetzt. Dabei stellen sich zwei Fragen (Quelle - BWL Grundlagen Zusammenfassung):

  • Grad der geographischen Ausbreitung, also die internationale Ausrichtung
  • Standortanalyse: der konkrete Ort in einem Land, einer Region oder Gemeinde
Standortkategorie Beschreibung Beispiel der Quelle (2002)
lokal örtliches Gewerbe –
regional in einer Region eines Landes tätig –
national Produktions- und Vertriebsstätten in einem Land USEGO, Galenica
international Produktion im Inland, Export ins Ausland Cellulose Attisholz
multinational Tochtergesellschaften in mehreren Ländern Ciba, Nestlé, Zürich Versicherung
Überholt

Zwei Beispielfirmen gibt es in dieser Form nicht mehr (Quelle - Recherche - Schweizer Gesellschafts- und Wirtschaftsrecht 2026):

  • Cellulose Attisholz: Die Besitzerin Borregaard schloss die Fabrik im Herbst 2008, 450 Stellen fielen weg. Das Areal wird seither zu einem neuen Quartier umgenutzt.
  • Ciba (Spezialitätenchemie) wurde im April 2009 von BASF übernommen (rund 6,1 Mrd. Fr.).

Standortfaktoren

  • arbeitsbezogen: Zahl, Kosten und Qualifikation der Arbeitskräfte. Wer höhere Löhne zahlt, findet tendenziell leichter Personal.
  • materialbezogen: Standort am Fundort (Rohstoffe) oder Entstehungsort (Hilfs-/Betriebsstoffe, Halb- und Fertigfabrikate). Entscheidend sind Transportkosten, Zuliefersicherheit und Art des Produkts.
  • absatzbezogen: Kundennähe, Konkurrenz, Transportfähigkeit, potenzielle Nachfrage, Frist zwischen Bedarf und Versorgung
  • verkehrsbezogen: gute Infrastruktur senkt Transportkosten und -zeit
  • immobilienbezogen: vor allem der Mietpreis
  • umweltbezogen: öffentliche Meinung (Image) und Umweltvorschriften (Landschafts-, Lärm-, Gewässerschutz)
  • abgabebezogen: geringste Beiträge, Gebühren und Steuern

Produktionsstandort

Die Material- und Produktionsquelle ergänzt: Gewinnungsbetriebe sind an das Vorkommen ihrer Rohstoffe gebunden (Erdöl, Kohle, Kies, Granit). Hat eine Unternehmung mehrere Werke, kann sie diese horizontal (verschiedene Produkte je Werk) oder vertikal (verschiedene Fertigungsstufen je Werk) gliedern. Marktnähe senkt Logistikkosten und Lieferzeiten, wenige grosse Werke senken die Produktionskosten (Economies of Scale). Qualitativ zählen politische Stabilität, Haltung gegenüber Direktinvestoren, Kapitaltransfer, Verkehrsnetz, Klima, Energie und Wasser sowie das Ausbildungsniveau (Quelle - BWL Material- und Produktionswirtschaft Zusammenfassung; siehe Produktionswirtschaft).

Innerhalb der Fabrik spricht man bei der Anordnung der Maschinen von innerbetrieblicher Standortwahl (Layout). Beim Lager stellt sich die Frage Zentral- oder Dezentrallager (Lagerhaltung).

Standortwahl

Theoretisch richtig wäre, für jeden Standort den künftigen Gewinn bzw. die Rentabilität zu berechnen (siehe Betriebswirtschaftliche Kennzahl) und den besten zu wählen. Weil das kaum möglich ist, verwendet man die Nutzwertanalyse: Alle relevanten Standortfaktoren werden aufgelistet und nach ihrer Bedeutung gewichtet.

Beispiel Nutzwertanalyse (S. 16)

Bewertung X: gut = 5, befriedigend = 3, schlecht = 1. Nutzen R = Gewicht × X. Muss-Kriterien wie die Mindestfläche wurden vorher geprüft und fliessen nicht ein.

Standortanforderung Gewicht A B C D
zentrale Verkehrslage 8 40 8 24 24
günstiger Arbeitsmarkt 15 75 75 15 45
verfügbares Industriegelände 16 48 48 80 80
Versorgung und Entsorgung 10 10 30 10 30
annehmbare rechtliche Auflagen 10 50 50 30 10
geringe Steuerbelastung 25 75 125 25 75
Förderungsmassnahmen 8 24 8 40 24
gute Lebensbedingungen 8 24 8 24 40
Gesamtnutzen 100 346 352 248 328
Rang 2 1 4 3

Standort B gewinnt knapp, vor allem wegen der hoch gewichteten Steuerbelastung.

Einordnung (Claude)

Die Nutzwertanalyse ist dieselbe Denkfigur wie die gewichtete Bewertung in der Risikoanalyse: qualitative Urteile werden über Gewichte und Punkte vergleichbar gemacht. Das Ergebnis hängt stark von der Wahl der Gewichte ab. Hier würde schon eine etwas tiefere Gewichtung der Steuern Standort A nach vorne bringen.

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