Distributionspolitik

Aus Zweites Gehirn, dem persönlichen Wiki
Distributionspolitik
TypKonzept
QuellenQuelle - BWL Produkt- und Distributionspolitik Zusammenfassung
Quelle - Recherche - BWL Nachprüfung und Heuristiken 2026
Erstellt2026-09-26
Aktualisiert2026-09-26
Tagsbetriebswirtschaft, marketing, distribution, handel

Das „Place“ der 4 P. Die Distributionspolitik gestaltet und steuert, wie ein Produkt vom Produzenten zum Verbraucher gelangt: über welche Absatzwege und Absatzorgane (akquisitorisch) und wie es physisch dorthin kommt.

Überblick

Distributionspolitische Entscheidungen (Schema S. 15 der Quelle - BWL Produkt- und Distributionspolitik Zusammenfassung):

Akquisitorische Distribution (Absatzmethode) Physische Distribution
Absatzweg Absatzorgan Lagerwesen
direkter Absatz unternehmungseigene Organe Auftragsabwicklung
indirekter Absatz unternehmungsfremde Organe Transportwesen
Mischformen (Franchising)

Direkter oder indirekter Absatz

Die wichtigste Entscheidung ist, ob und wie viele Absatzmittler zwischen Unternehmung und Endverbraucher stehen.

Faktor eher direkt eher indirekt
Produkt verderblich, nicht standardisiert (Auftragsfertigung), hoher Wert, erklärungsbedürftig oder neu standardisiert, günstig
Zahl der Kunden wenige viele
Bedarf gelegentlich regelmässig
Menge pro Einkauf gross klein

Die geographische Streuung der Kunden verteuert jede Distribution. Der direkte Absatz hat sich vor allem bei Investitionsgütern bewährt, bei Konsumgütern vor allem bei neuartigen Produkten.

Indirekter Absatz über den Handel

  • Vorteile: Der Hersteller muss nur wenig Distributionsservice leisten, hat wenige Kunden (Grossisten), braucht kein Kapital für eine eigene Vertriebsorganisation und profitiert von der besseren Marktkenntnis des Handels.
  • Nachteile: tiefere Verkaufspreise, Marktveränderungen werden eventuell zu spät erkannt, Abhängigkeit vom Handel.

Den Absatzweg beschreiben: Wie gelangt die Information zum Kunden? Wie wird der Absatz gefördert? Wie fliesst das Geld zurück? Wer trägt das Risiko, dass ein Kunde nicht zahlt?

Franchising

Vertraglich geregelte Kooperation zweier rechtlich selbständiger Unternehmungen. Der Franchisegeber gibt dem Franchisenehmer gegen Entgelt das Recht, Güter und Dienstleistungen unter seinem Warenzeichen zu vertreiben. Er stellt je nach Vertrag Name und Marke, Methoden der Geschäftsführung, Rezepturen, Waren, Marketing-Konzepte und Personalschulung zur Verfügung. Nach aussen wirkt das Geschäft wie eine Filiale des Herstellers.

Vorteile für den Franchisegeber Vorteile für den Franchisenehmer
wenig eigene Mittel nötig fremdes Know-how nutzen
schnelle Expansion geringeres Unternehmerrisiko
günstige Kostenstruktur Unabhängigkeit bleibt gewahrt
lokales und kulturelles Know-how des Nehmers sofort konkurrenzfähig

Franchising ist auch eine Form der Internationalisierung (siehe Unternehmungsverbindung).

Absatzorgane

Organ Merkmal
Geschäftsleitung führt Kollektionen den Grossabnehmern vor (Textilindustrie)
Reisender Angestellter mit festem Salär, besucht regelmässig Kunden
Verkaufsniederlassung eigene Filiale mit Beratung, Abschluss und Auslieferung (Autos, Schuhe)
Handelsvertreter (Agent) selbständig, Vergütung stärker umsatzabhängig
Kommissionär kauft und verkauft im eigenen Namen, aber auf Rechnung und Gefahr des Auftraggebers (Wertpapiere, Rohstoffe)
Makler vermittelt Käufer und Verkäufer (Grundstücke, Versicherungen)
Grosshandel kauft grosse Mengen, verkauft an Wiederverkäufer, Weiterverarbeiter, Grossverbraucher
Einzelhandel verkauft in bedarfsgerechten Mengen an Konsumenten

Dazu kommen Glieder, die Teilfunktionen übernehmen (Werbeagenturen, Spediteure, Lagerhalter, Inkassoinstitute), und Absatzhelfer wie Ärzte, Lehrkräfte oder Ernährungsberater.

Einzelhandel

Erscheinungsformen nach:

  • Sortiment: Spezialgeschäft (sehr eng), Fachgeschäft (Beratung), Warenhaus (breit und tief, zentral), Supermarkt (Selbstbedienung), Einkaufszentrum (Standortkooperation), Filialbetrieb, Gemischtwarengeschäft (Quartierladen)
  • Preisbetonung: Discounter, Lagerhausverkauf (Möbel), Katalog-Showroom, Boutique
  • Ort des Verkaufs: Telefonbestellung, Versandhandel, Automaten (24 Stunden), Hausierer, Verkaufspartys (Tupperware)

Grosshandel

  • nach Warenangebot: Sortiments-, Spezial- und bedarfsorientierter Grosshandel (z.B. Do-it-yourself)
  • nach Veredlungsgrad: Roh- und Grundstoffe oder Fertigwaren
  • nach Marktorientierung: Aufkauf (z.B. Agrarprodukte), absatzorientiert, Import und Export
  • Sonderformen: Cash-and-carry (Selbstbedienung gegen Barzahlung in Lagerhallen), Rack Jobbing (eine Handelsfirma mietet Regale im Supermarkt und bewirtschaftet sie selbst), Shop-in-the-Shop

Kooperation im Handel

  • zwischen Einzel- und Grosshandel: Einkaufsgesellschaften (EDEKA, USEGO), freiwillige Ketten (gemeinsamer Einkauf, Werbung, Sortiment, Kredite), Konsumgenossenschaften (Migros, Coop; Gewinn wird nach Einkäufen verteilt), Produzentengenossenschaften
  • zwischen Hersteller und Händler: Vertragshändlersystem (exklusives Herstellersortiment, feste Preise und Konditionen, Garantiearbeiten; z.B. Opel, Ford) und Franchising
Aktueller Stand (2026)

Die Migros ist weiterhin als Genossenschaft organisiert (siehe Rechtsform). Die Mitgliedschaft ist gratis. Genossenschafter erhalten einen Anteilsschein zu 10 Fr., stimmen in der Urabstimmung mit und bekommen das Magazin, in einigen Regionen auch Coupons. Eine Rückvergütung des Gewinns nach Einkäufen, wie sie die Quelle beschreibt, erwähnt die Migros nicht. Über Kulturprozent und Fonds flossen 2023 rund 140 Mio. Fr. in Kultur und Gesellschaft (Quelle - Recherche - BWL Nachprüfung und Heuristiken 2026). Coop wurde nicht geprüft.

Einordnung (Claude)

Der Online-Handel, der heute einen grossen Teil des Einzelhandels ausmacht, fehlt in der Quelle von 2002 ganz.

Physische Distribution

Ziel: die richtigen Produkte zur rechten Zeit am richtigen Ort in der richtigen Qualität und Menge zu minimalen Kosten verteilen. Die physische Distribution ist der Marketing-Teil der Logistik.

Distributionskosten: D = A + T + L_fix + L_var + O

  • A = Auftragsabwicklung, T = Transport, L_fix und L_var = fixe und variable Lagerkosten, O = Opportunitätskosten wegen entgangener Verkäufe

Lieferservice: Verfügbarkeit, kurze Lieferzeiten, Flexibilität, Ersatzteile, Installation und Reparatur, garantierte Qualität, sorgfältige Lieferung, rascher Ersatz defekter Ware, vollständiges Sortiment.

Lieferbereitschaftsgrad = sofort lieferbare Menge pro Zeiteinheit / bestellte Menge pro Zeiteinheit · 100

Die Lieferzeit reicht vom Auftragseingang bis zur Ankunft der Ware beim Kunden. Die Auftragsabwicklung erledigt das Administrative (Auftragsbestätigung, Versandpapiere, Rechnung) und löst den Versand aus.

Lagerwesen: Je grösser der Bestand, desto seltener Fehlmengen, aber desto höher die Lagerkosten. Je mehr Aussenlager, desto kürzer die Lieferzeit. Die optimale Zahl liegt im Minimum der Gesamtkostenkurve (siehe Lagerhaltung).

Transportmittel:

Mittel Eignung
Schiene vergleichsweise billig
Wasser am günstigsten für schwere, dauerhafte Güter (Öl, Kohle, Rohmetalle)
Strasse flexibel, Feinverteilung von Tür zu Tür
Rohrleitung Erdöl, Gas, Chemikalien
Luft teuer; für verderbliche, kleine, wertvolle Güter

Auswahlkriterien: Art des Guts, Geschwindigkeit, Häufigkeit, Kapazität, Kosten, Verfügbarkeit, natürliche Einschränkungen, Abhängigkeit vom Verteiler, Ökologie, Marketing-Konzept.

Verwandt