Materialwirtschaft

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Materialwirtschaft
TypKonzept
QuellenQuelle - BWL Material- und Produktionswirtschaft Zusammenfassung
Quelle - Recherche - BWL Nachprüfung und Heuristiken 2026
Erstellt2026-09-26
Aktualisiert2026-09-26
Tagsbetriebswirtschaft, materialwirtschaft, beschaffung, einkauf

Der Bereich, der das Material in der erforderlichen Menge und Qualität zur rechten Zeit am rechten Ort bereitstellt, entsorgt und dabei die Kosten optimiert. Er umfasst Beschaffung, Lagerung und Verteilung und ist selbst nicht wertschöpfend.

Begriff und Aufgaben

Die Materialwirtschaft befasst sich mit allen Vorgängen, die die Bereitstellung und Entsorgung des Materials sowie die Verbesserung der Wertschöpfung des Betriebs betreffen (Quelle - BWL Material- und Produktionswirtschaft Zusammenfassung). Konkrete Tätigkeiten: Bestellungen planen, Lieferantenbeziehungen aufbauen, Ware annehmen und prüfen, ein- und auslagern, transportieren, zurücknehmen, umpacken, zählen.

  • originäre, technische Hauptaufgabe: Material in Menge und Qualität rechtzeitig am richtigen Ort bereitstellen, entsorgen, Wertschöpfung verbessern
  • derivative, wirtschaftliche Hauptaufgabe: die Kosten dafür optimieren, unter Berücksichtigung von Restrisiken, Entsorgung und Wiederverwertung

Objekte

Objekt Merkmal Beispiele
Rohstoffe unverarbeitet, Hauptbestandteil des Produkts Kautschuk, Getreide, Holz, Kakao
Hilfsstoffe im Produkt, aber untergeordnet Leim, Schrauben, Lack, Verpackung, Steuerungs-Chips
Betriebsstoffe nicht im Produkt, halten die Herstellung in Gang Energie, Schmierstoffe, Büromaterial
Fertigstoffe bereits verarbeitete Rohstoffe Stahlblöcke, Garn, Stoffe
Baukomponenten zugekauft, direkt eingebaut Motoren, Harddisks
Zwischenprodukte intern hergestellt, auf Lager für später
Halbfabrikate gelagert vor der letzten, kundenspezifischen Bearbeitung
Handelswaren ergänzen das eigene Programm
Enderzeugnisse gehören zum Vertrieb

Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe sind die Repetierfaktoren aus Wirtschaftsgut.

Gliederung nach Ebenen

Ebene Aufgaben Sicht
Management Entscheiden, Anordnen, Kontrollieren; Make-or-buy, Global und Single Sourcing, Lagerpolitik strategisch
Abteilung Planen, Entscheiden, Ausführen, Kontrollieren; Beschaffungsplanung, Administration taktisch
Fabrik Durchführung und Kontrolle operativ

Geplant werden das physische System (auf Fabrikebene Gebäude, Lager-, Umschlag- und Transporteinrichtungen, Prüfgeräte; auf Abteilungsebene Computer) und das Planungs- und Entscheidungssystem, das die Tätigkeiten koordiniert.

Ziele

Welche Kosten und Erfüllungsgrade sollen bei der Bereitstellung hinsichtlich Menge, Ort, Wert, Qualität und Zeit erreicht werden? Die Ziele betreffen:

  • die Bereitstellung für die Produktion
  • die Kosten: Weil die Materialwirtschaft keine Erträge ausweist, geht es um Effizienz bei Beschaffung, Verwaltung, Verteilung, Entsorgung, Personal, Raum, Abläufen, Teilevielfalt, Normung und Typung, Nummerung und Lieferantenbeziehungen
  • Recycling und Entsorgung: mehr wiederverwendbare Güter, weniger umweltbelastende Materialien
  • die Unterstützung anderer Bereiche

Ziele können harmonisch sein (beide zugleich maximieren) oder disharmonisch (man muss optimieren, also abwägen). Siehe Zielbeziehungen in Unternehmensziel.

Unklare Stelle in der Quelle

S. 16 nennt als Beispiele für harmonische Ziele „neue Produkte“ und „intensive Weiterbildung“, für disharmonische „Gehaltsminderung“. Wie diese Beispiele zur Unterscheidung passen, geht aus dem Text nicht hervor. Vermutlich fehlt die dazugehörige Grafik.

Bedarf

  • Primärbedarf: unabhängiger Bedarf an Endprodukten. Er wird prognostiziert, meist durch das Marketing (siehe Absatzprognose in Marktforschung).
  • Master Scheduling: geplanter Bedarf an Endprodukten, Input für die Produktionsplanung
  • Sekundärbedarf: abhängiger Bedarf an Bauteilen und Rohmaterial. Er lässt sich aus dem Primärbedarf mit Stücklisten berechnen (siehe Produktionsplanung und -steuerung).
  • unabhängiger Verbrauch: z.B. Schmieröl, kleine Schrauben

Die Teilprobleme betreffen Menge, Zeit, Kosten, Kapital und Logistik.

Make-or-buy

Eigenfertigung oder Fremdbezug?

  • langfristig: Konzentration auf Schlüsseltechnologien, Kostenentwicklung, Qualität und Zuverlässigkeit der Zulieferer, Mengen, Service, Fähigkeiten des eigenen Personals
  • kurzfristig: Bedarfsspitzen decken, Schwankungen ausgleichen, Engpässe überbrücken, Überkapazität nutzen

Wie viel ein Betrieb selbst macht, heisst vertikale Integration. Sie lässt sich durch Übernahme von Lieferanten (Rückwärtsintegration) oder Abnehmern (Vorwärtsintegration) erhöhen (siehe Unternehmungsverbindung).

Schwerpunkte setzen

Nicht alle Güter verdienen denselben Aufwand. Die ABC-Analyse ordnet nach Wert, die XYZ-Analyse nach Prognostizierbarkeit. Eigene Seite: ABC-Analyse.

Beschaffungsprinzipien

Prinzip Einsatz Eigenschaften
Einzelbeschaffung bei Bedarf (order-to-make) Einzelfertigung, Z-Güter kleine Mengen teuer, Termine schwer planbar, lange Lieferfristen
Beschaffung auf Vorrat (order-to-stock) X- und Y-Güter, regelmässiger Bedarf häufigster Fall in der Praxis
Just-in-time (einsatzsynchron) kontinuierlicher Bedarf kontinuierlicher, lagerloser Zufluss; siehe Just-in-time

Sicherheitsbestand und Bestellpunkt

Um Fehlmengen zu vermeiden, wird ein Sicherheitsbestand x_s gehalten. Er fängt einen erhöhten Bedarf während der Wiederbeschaffungszeit t_w auf.

Beispiel (S. 26): mittlerer Bedarf M = 31 200 pro Jahr, maximaler Bedarf 46 800 pro Jahr, t_w = 3 Wochen

  • mittlerer Bedarf während t_w: 3 · 31 200 / 52 = 1800
  • maximaler Bedarf während t_w: 3 · 46 800 / 52 = 2700 = Bestellpunkt x_BP
  • Sicherheitsbestand x_s = 2700 − 1800 = 900

Nachgerechnet, stimmt.

Reaktive Bestellmodelle

Sie überwachen den Lagerbestand und lösen Bestellungen aus.

Bestellpunkt-Modell Bestellrhythmus-Modell
Auslösung wenn der Bestand den Bestellpunkt (Meldemenge) erreicht in festem Rhythmus (z.B. jeden 1. Montag)
Bestellmenge konstant (optimale Bestellmenge) variabel (der vergangene Abgang)
Prüfung nach jeder Entnahme periodisch
Vorteil kaum Fehlbestände wenig Kontrollaufwand, Bestellungen bündeln
Nachteil aufwendig ohne EDV Fehlbestände zwischen den Kontrollen möglich
Entscheid über Menge, Bestellpunkt, Sicherheitsbestand Intervall, Obergrenze, Sicherheitsbestand
Beispiel Frischprodukte bei Migros und Coop

Sind Menge und Intervall variabel, spricht man von optionalen Modellen (z.B. Aktionsware, Bestellung bei Kundenauftrag).

Fehler in der Quelle

S. 29 listet beim Bestellrhythmus-Modell „Ladenhüter leichter zu erkennen“ unter den Nachteilen. Das ist ein Vorteil.

Reaktive Modelle rechnen jeden Artikel einzeln und führen in Produktionsbetrieben zu grossen Lagern. Deshalb gibt es die Materialbedarfsplanung (MRP), siehe Produktionsplanung und -steuerung.

Vollzug der Beschaffung

  1. Informationen: interne (aus anderen Bereichen) und externe. Letztere stammen aus der Beschaffungsmarktforschung mit Primär- und Sekundärquellen (siehe Marktforschung).
  2. Angebote einholen: Kriterien sind Preis, Nachlässe, Mengenrabatt, Skonto, Zahlungsfrist, Liefermengen und -zeiten, Standort, Transportkosten (siehe Konditionenpolitik aus Sicht des Verkäufers).
  3. Angebote prüfen, Beschaffungsweg und Lieferant wählen: Hersteller (für A- und B-Teile, günstiger), Handel (breites Sortiment), Kommissionäre, Importeure (für KMU), eigene Einkaufsbüros, Einkaufsgemeinschaften (grössere Mengen, bessere Konditionen)
  4. Lieferantenverhandlungen: schaffen Vertrauen und dauerhafte Beziehungen
  5. Bestellung: Einzelbestellung, Kauf auf Abruf, Sukzessivlieferungsvertrag, Rahmenabkommen. Vertragsformen: Kauf-, Werk-, Miet-, Leasing-, Pacht-, Dienst-, Lizenzvertrag
  6. Beschaffungskontrolle: Termine (Stillstände vermeiden), Wareneingang (Menge und Qualität), Rechnungsprüfung

Kontrolle überwacht Ergebnisse. Controlling geht weiter: Abweichungen messen, Kennzahlen bilden, Ursachen analysieren und beraten. Kennzahlen der Materialwirtschaft betreffen vor allem Kosten und Erfüllungsgrad (vgl. den Lieferbereitschaftsgrad in Distributionspolitik).

  • Reverse Marketing: Der Abnehmer bemüht sich aktiv um Lieferanten, statt nur umworben zu werden. Bei Just-in-time braucht es enge Beziehungen.
  • Single Sourcing: ein einziger Lieferant, langfristiger Vertrag, Partnerschaft
  • Global Sourcing: weltweite Beschaffung dank globaler Transport- und Kommunikationsnetze
  • Kernkompetenzen: Mehr als etwa fünf Technologien kann man kaum vollständig beherrschen. Man konzentriert sich auf Schlüsseltechnologien.
Aktueller Stand (2026)

Single und Global Sourcing galten 2002 als Rezept für tiefe Kosten. Die Lieferkettenkrisen seit 2020 haben die Kehrseite gezeigt: Die Ever Given blockierte vom 23. bis 29. März 2021 den Suezkanal, durch den rund 30 % des weltweiten Containerverkehrs laufen. Wegen des Halbleitermangels konnte die Autoindustrie 2021 laut einer Schätzung von AlixPartners rund 7,7 Mio. Fahrzeuge nicht bauen, der Umsatzverlust lag bei rund 210 Mrd. USD. Auch die Schweizer Landesversorgung rechnet mit häufigeren Krisen (Quelle - Recherche - BWL Nachprüfung und Heuristiken 2026).

Einordnung (Claude)

Ein einziger, weit entfernter Lieferant ist ein Klumpenrisiko. Seit den Krisen ist wieder von Dual Sourcing und Nearshoring die Rede. Diese Begriffe wurden nicht eigens recherchiert. Die Denkweise entspricht der Risikoanalyse: Eintrittswahrscheinlichkeit mal Schaden gegen die Kosten zusätzlicher Lieferanten oder Lager abwägen.

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